Die Sache mit der Reismilch 2

Hier gehts zum ersten Teil der Geschichte

 

Ich stelle mir mal vor, wie alles früher abgelaufen wäre…..

….Ich stehe also morgens in der Küche, mein Bruder ist gerade zu Besuch. Offensichtlich ist die Reismilch alle – und ja – es MUSS mein Bruder gewesen sein, der die Packung leer gemacht und den Karton fein säuberlich entsorgt hat. Hat er vorher eine nachgekauft? Hat er auf dem Schirm, dass ich auch noch was davon brauche?

Ich frage mit einem gepressten Lächeln auf den Lippen und einer freundlich überraschten Stimme, die ich mir selber nicht abkaufe: „Sag mal, weißt du zufällig, ob noch was von der Reismilch da ist?“ Bestimmt zaubert er gleich eine Packung aus seinem Hipster-Turnbeutelchen!
Doch mein Bruder schaut nur in Zeitlupe von seiner Schüssel auf und fragt: „Hmmm? Was?“

„Na, die Reismilch, Bruderherz…is noch was da????“ – „Oh, ups, war das die letzte? Ich dachte du hast noch was da…,“ nuschelt er und wendet sich wieder seinem Apfel-Hirse-Avocado-Crannberry-Experiment zu! Grmpf! So viel dazu! Ich sage nichts und denk mir meinen Teil der ungefähr so geht: War ja wohl klar, ich bin ja auch seine große Schwester. Er denkt wohl, dass ich seine Mutter bin!!! Hat der sie noch alle? Ich meine: Hallo! Seit zwei Wochen ist er zu Besuch, da kann man doch wohl auch mal was nachkaufen….!

Und dann passiert das Schlimmste: mein Innerer Richter meldet sich mit den Worten: hey, hey, mach mal langsam, der wollte dir doch nichts Böses. Und guck doch bitte mal in den Kühlschrank und sieh dir an, was er schon alles gekauft hat! Abgespült hat er auch die letzten Tage und frische Brötchen besorgt und gestern sogar Spaghetti für dich gekocht. Mach mal halblang jetzt mit deiner Reismilch und komm mal klar!

Na toll, jetzt bekomm ich auch noch von mir selber eins auf die Mütze, weil ich meinen Bruder doof finde. Eigentlich sind doch meine Eltern Schuld, die meinem Bruder offensichtlich nicht beigebracht haben, dass Lebensmittel sich nicht von alleine nachkaufen?

Na und so weiter eben, immer schön nach dem Schuldigen suchen.

Tatsächlich ist es früher auch einmal vorgekommen, dass ich ihn angefahren habe, dass er für mich nicht mehr mein Bruder sei. Damals war er noch ziemlich klein und er ist schier in Ohnmacht gefallen, nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte.

Das war in der Zeit in der ich buchstäblich nicht mal wusste wie man Konflikt schreibt, weil ich so viel Angst davor hatte. Ich pflegte mich entweder davonzustehlen oder schrieb wütende Mails oder schmiss im Nahkampf mit Vorwürfen um mich. Das kam jedes Mal so ungefähr einem Bauchplatscher vom 10 Meter Brett gleich: extrem schmerzhaft, beschämend und sinnlos. Und das Ganze doch in bestechender Regelmäßigkeit und in absehbaren Abständen und rückblickend auch nach präzis gleichbleibenden Mustern – immer wieder. Eigentlich erstaunlich, wenn man es mal so betrachtet…..

Bevor die Haltung und Methode der Gewaltfreien Kommunikation in mein Leben kamen, sah mein Leben, was Konflikte und deren Lösung anging ein wenig…..ok, ehrlich gesagt SEHR anders aus. Wenn ein Konflikt manchmal gut ausging, war es reiner Zufall und konnte nicht reproduziert werden.

Und auch wenn sich heute nicht alles an Urteilen und Ärger in meinem Kopf komplett in Luft aufgelöst hat (worum es auch überhaupt nicht geht in der GFK): Der Unterschied ist, dass ich heute einfach weiß, was eigentlich passiert, wenn ein Konflikt ausbricht. Und vor allem was ich selbst dafür tun kann, dass ein Konflikt eine ganz gute Chance hat so auszugehen wie ich mir das wünsche: Einfach die GFK anwenden.

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