Ärgershow

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Unser Ärger ist ein wichtiger Schlüssel zu unseren Bedürfnissen. In der GFK geht es daher um keinen Preis darum den Ärger zu vermeiden oder wegzudrücken. Er ist ein Gefühl, das genauso wie jedes andere Gefühl gelebt werden will und Teil unserer Lebendigkeit ist. Was machen wir also, wenn in uns der Ärger aufwallt?
Den Ärger einfach ins Gesicht der Person zu brüllen, die ihn in uns ausgelöst hat, stiftet normalerweise nicht unbedingt Verbindung. Wenn wir Menschen unseren Ärger und damit unsere Urteile und Diagnosen über ihr Verhalten ungefiltert vor dem Latz knallen, ist die Chance eher gering, dass wir damit erreichen, dass sie uns in unseren Bedürfnissen erkennen. Im Zweifelsfall gilt also: Erstmal sicheren Abstand zwischen uns und dem oder der Anderen herstellen.
Im geschützten Rahmen kann ich mich dann zu einem späteren Zeitpunkt meinem Ärger und meinen Urteilen zuwenden und ihnen freien Lauf lassen. Eine dritte Person kann hier unterstützen. Es hilft, wenn ich alle meine verurteilenden Gedanken ausspreche oder im Zweifelsfall hinausschreie:
„So ein Feigling….!“
„Für wen hält die sich bitte, für den großen Boss oder was?!“
„Der ist echt der aggressivste Mensch, den ich kenne!“
„Die hat echt ne Therapie nötig…!“
und so weiter…..
Es kann auch durchaus helfen, sich im Kopf auszumalen, was man der anderen Person gerne antun würde. Hier haben viele Menschen mit denen ich gearbeitet habe eine Blockade, weil sie verinnerlicht haben, dass man gerade physische Gewalt noch nicht einmal denken darf. Die Sache ist jedoch die: auch wenn ich diese Vorstellungen wegdrücke, sind sie trotzdem irgendwo da in einem Winkel meiner Seele. Wenn ich mir jedoch bewusst gestatte, meine Gewaltphantasien für einen Moment zu leben, lassen sie danach auch wieder nach.
Wenn ich mich meiner Ärgershow richtig aus vollem Herzen hingebe, werde ich schnell merken, wie der Ärger nachlässt und sich tiefer darunter liegende Gefühle wie Trauer, Angst oder Hilflosigkeit bemerkbar machen. Mit diesen Gefühlen kann ich weiterarbeiten, denn sie helfen mir schließlich meine unerfüllten Bedürfnisse in dem Konflikt zu identifizieren. Und wenn ich diese (statt meines Ärgers) in Kontakt mit meinem Streitpartner bringe, erhöht sich meine Chance in meinem Anliegen gehört zu werden dramatisch.

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