Bedürfnisse vs. Strategien

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Kaum jemand mag gerne als bedürftig gelten und doch haben wir alle Bedürfnisse. Der negative Beigeschmack, den das Wort ‚bedürftig‘ hat verstellt vor allem den Blick auf den Kern: Wenn wir keine Bedürfnisse hätten, gäbe es eigentlich keinen Grund morgens aufzustehen. Bedürfnisse sind Antriebsfeder und Ursache unseres Handelns gleichermaßen. Jede unserer Handlungen zielt darauf ab sich ein oder mehrere Bedürfnisse zu erfüllen – was noch nicht bedeutet, dass die Erfüllung dann auch wirklich eintritt.

Bedürfnisse, so wie sie die Gewaltfreie Kommunikation definiert, sind universell. Das heißt: jeder Mensch hat grundsätzlich alle Bedürfnisse, wie erfüllt oder unerfüllt, groß oder klein sie auch gerade sein mögen. Das bringt einen großen Vorteil mit sich: Wenn wir auf der Ebene von Bedürfnissen kommunizieren, wird schnell deutlich, was uns als Menschen verbindet und weniger, was uns trennt.

Ein paar Beispiele für Bedürfnisse wären etwa Freiheit, Autonomie, Gemeinschaft, Unterstützung, Zusammenarbeit, Sicherheit und Wertschätzung.

Im Gegensatz zu Bedürfnissen sind die bevorzugten Strategien, die wir einsetzen, um uns Bedürfnisse zu erfüllen, hochgradig individuell. Hier treten soziokulturelle Unterschiede auf, regionale, oder einfach nur persönliche. Ein Beispiel: Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Entspannung. Aber während es den einen entspannt, wenn er auf der Couch liegen und ein Buch lesen kann, findet seine Partnerin Entspannung beim Bergwandern. Seinen Bruder wiederum entspannt es total, wenn er ungestört seine Bahnen im Schwimmbad ziehen kann.

Konflikte entstehen daher nicht auf der Ebene der Bedürfnisse. Sie entstehen auf der Ebene der Strategien. Dort halten wir uns oft auf und den meisten ist der Unterschied überhaupt nicht bewusst. Die bevorzugten Strategien eines anderen Menschen können uns auf den Geist gehen, uns verwundern oder auch erschrecken. Daher hilft es gerade im Konfliktfall die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was für ein Bedürfnis wohl hinter der Strategie des Anderen steckt. Das hilft dabei ihn besser und vor allem tiefer zu sehen, weil wir sein Bedürfnis immer auch in uns selbst wiederfinden können.

Gleichermaßen können wir es anderen Menschen sehr viel leichter machen, uns darin zu unterstützen uns unsere Bedürfnisse zu erfüllen, wenn wir sie auch benennen. Wenn wir ausdrücken warum uns eine bestimmte Sache wichtig ist, entsteht Verbindung zu anderen Menschen. Und um nichts anderes geht es letztlich in der GFK: aufrichtige und wertschätzende Verbindung.

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