Beobachtung

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„Die Band war ja wohl viel zu laut abgemischt, ich bin halb taub!“ – „Finde ich jetzt überhaupt nicht, die hätten ruhig noch nen Ticken mehr Gas geben können!“

Menschen beobachten, nehmen wahr und bewerten das was sie beobachten und wahrnehmen. Das ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang, der es uns ermöglicht uns in der Welt zurecht zu finden und Entscheidungen über unsere Handlungen zu treffen. In unserer alltäglich Kommunikation würfeln wir das was wir tatsächlich beobachten bzw. wahrnehmen und unsere Bewertung des Ganzen munter durcheinander. Dabei fällt uns dann oft überhaupt nicht mehr auf, dass das, was wir meinen wahrgenommen zu haben, bereits mit unserer Bewertung vermengt ist. Wir denken, unsere Bewertung IST die Beobachtung

Problematisch wird die Sache allerdings im Konfliktfall. Denn wenn ich meinen Beobachtungs-Bewertungs-Mischmasch mitteile in Form von „Du meldest Dich nie und interessierst Dich überhaupt nicht für mich!“ ist die Chance, dass der oder die Angesprochene Kritik hört und emotional dicht macht, deutlich erhöht gegenüber einer reinen Beobachtung. So eine Beobachtung vermischt mit meiner Bewertung provoziert oft Rechtfertigung: „Stimmt überhaupt nicht, im letzten Jahr hab außerdem meistens ich mich gemeldet.“ (Außerdem bekommt ein Mensch nicht unbedingt Lust darauf, mich ab jetzt öfter zu kontaktieren, wenn ich auf diese Weise auf mich aufmerksam mache.)

Eine reine Beobachtung wäre in diesem Fall zum Beispiel: „In den letzten vier Wochen haben wir nicht telefoniert.“ Eine Beobachtung ist dann eine echte Beobachtung, wenn sie unstrittig ist und einfach nur das wiedergibt, was wirklich passiert (oder eben nicht passiert) ist. Hier hilft es sich vorzustellen was eine Kamera oder ein Mikrofon aufgenommen hätten (oder eben nicht aufgenommen hätten). Und wenn ich diese Beobachtung noch im Sinne der GFK mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen kombiniere und am Schluss eine Bitte stelle, steigt die Chance in Verbindung zu kommen deutlich.

„Wir haben im letzten Monat überhaupt nicht telefoniert. Darüber bin ich traurig, weil mir regelmäßiger Kontakt und Austausch mit Dir echt wichtig ist. Wie geht es Dir, wenn Du das hörst?“

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