Empathische Vermutung

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„Ich hasse meinen Chef! Der motzt nur die ganze Zeit herum und kapiert überhaupt nicht wieviel Energie ich zuletzt in das ganze Projekt gesteckt habe!“
– „Hmm….bist Du frustriert, weil Dir Anerkennung fehlt für die Arbeit die Du leistest?“
Wenn ich mitfühlend mit einem Menschen Kontakt aufnehmen möchte, behaupte ich nicht, dass ich bereits weiß wie es ihm geht, auch wenn ich vielleicht eine Vermutung habe. Stattdessen frage ich ihn wie es ihm geht und was ihm fehlt, vermute also.

Empathisch ist die Vermutung dann, wenn es mir wirklich nur darum geht, meinen Gesprächspartner in seiner Gefühls- und Bedürfnislage zu sehen und nicht darum, meine eigene Einschätzung der Lage zu äußern. Und eine Vermutung äußere ich am besten in Form einer Frage und nicht einer Feststellung. So behaupte ich nicht, dass meine Vermutung auch zutrifft. Der Gefragte kann immer noch sagen: „Nein, ich bin wütend, weil er im entscheidenden Monat eine Woche in Urlaub gefahren ist und ich seine ganze Arbeit miterledigen musste!“

Über eine empathische Vermutung kann ich Menschen dabei unterstützen mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. Denn oft genug wissen wir gar nicht so genau, wie es uns eigentlich geht und noch weniger, was uns eigentlich fehlt oder was wir uns wünschen würden.

Es gibt an dieser Stelle auch keine Punkte fürs Richtig-Raten, denn darum geht es überhaupt nicht. Wenn ich empathisch vermute, zeige ich damit einfach, dass ich mich für den anderen Menschen interessiere. Und gerade eine „falsche“ Vermutung führt manchmal sogar dazu, dass der andere Mensch am Ende selber rausfindet, was er eigentlich bräuchte.

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