Innerer Richter

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Ich bin ein Mensch und wir sind viele! Mindestens zwei jedenfalls: Mein ‚Handelnder Teil‘ und mein ‚Innerer Richter‘. Mein Handelnder Teil ist derjenige, der sich vier Folgen House of Cards hintereinander anschaut und sich gegen das Blogschreiben entscheidet. Meinem Inneren Richter entlockt das den stillen Kommentar: so wird das nie was mit Eurem Blog, wenn Du Dich schon am Anfang so hängen lässt! Der Handelnde Teil kauft sich auch gerne mal eine Tafel Schokolade, die er schon im Treppenhaus anfängt zu essen und innerhalb von zehn Minuten komplett verdrückt. Beim Inneren Richter ruft dieses Verhalten Kopfschütteln hervor: Dick wirst Du werden, was ist mit Deinem Vorsatz Abends keinen Zucker mehr zu essen, keine Selbstkontrolle, um Gottes Willen, was soll aus diesem Typ nur werden….!

Vermutlich gibt es nicht einen Menschen, der nicht diese beiden Instanzen in sich trägt. Und bei nicht wenigen sorgen sie für eine Art Systemblockade oder zumindest einen Zustand ständiger latenter Unzufriedenheit: Mein Handelnder Teil entscheidet sich zwar für die Schokolade, aber so richtig genießen kann er sie nicht – dafür sorgt der Innere Richter mit seinen Kommentaren. Und der Richter auf der anderen Seite ist resigniert, weil er doch eigentlich ‚nur mein Bestes‘ will und dabei so wenig ausrichten kann.

Das Problem ist dabei nicht, dass wir beide Instanzen in uns tragen. Das Problem entsteht durch die Art und Weise in der beide miteinander kommunizieren, womit wir bei unserem Kernthema angelangt wären. Der arme Richter hat nie gelernt sich auf eine lebensdienliche und gewaltfreie Art und Weise auszudrücken. In Anbetracht unserer Erziehung eigentlich kein Wunder. In seiner Sprache imitiert er also insbesondere unsere Eltern und unsere Lehrer: Das ist gut, das ist schlecht, das solltest Du tun, das solltest Du lieber lassen, das macht man nicht, das ist widerlich, streng Dich mal an, hab ich doch gesagt, dass das schief gehen wird….

Für unseren Handelnden Teil ist das tragisch, denn mit so einer Sprache konfrontiert, bleiben am Ende nur zwei Optionen: Ich gehe in den Gehorsam oder ich gehe in die Rebellion. Zwischen dem Handelnden Teil und dem Inneren Richter entsteht so ein Antagonismus, der uns das Leben ganz schön versauen und uns im schlimmsten Fall körperlich krank machen kann.

Und wie kann ich nun mit diesem Konflikt umgehen?

Das Zauberwort heißt auch hier wieder Empathie. Ich habe hier zwei Seelen ach in meiner Brust und beide wollen gehört werden. Beide haben Gefühle und für beide stehen bestimmte Bedürfnisse im Vordergrund. Der Handelnde Teil wünscht sich vielleicht Entspannung, während der innere Richter sich nach Sinn im Leben sehnt.

Ein innerer Richter, dem ich mit Mitgefühl begegne, kann auf diese Weise von einem Peiniger zu einem inneren Entwickler werden, der mich liebevoll dabei unterstützt im Leben voranzukommen. Die Kunst liegt darin, beide einmal auseinander zu dividieren und ihnen jeweils mit völlig ungeteilter und unvoreingenommener Aufmerksamkeit zu begegnen. Wenn sie sich sicher fühlen, fangen sie schnell an ihre Herzen zu zeigen.

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